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14. Mai 2019

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Petruskirche Bawinkel ist Kirche des Monats Mai

Petruskirche in Bawinkel ist ein Kind der Bauhausidee

Am kommenden Sonntag, 19. Mai präsentiert sich die Petruskirche in Bawinkel in der ökumenischen Reihe "Kirche des Monats" (bild: Ulrich Hirndorf)

Am kommenden Sonntag, 19. Mai ab 15 Uhr lädt das ökumenische „Kirche des Monats Team“ herzlich in die ev.-luth. Petruskirche an der Mühlenstraße 12 in Bawinkel ein. „Wir haben diese Kirche ausgesucht, weil sie im Zusammenhang mit der großen Bauhausschule steht, die in diesem Jahr ihr 100 jähriges Jubiläum feiert“, so die Organisatoren Holger Berentzen und Ulrich Hirndorf.

Der Architekt

Den Entwurf für die Petruskirche lieferte der bekannte Architekt Otto Bartning (1883-1959), einer der größten Architekten der Neuzeit. Bereits unmittelbar nach Ende des 1. Weltkriegs arbeitete er in Berlin gemeinsam mit Bruno Taut, Hans Scharoun und Walter Gropius im "Arbeitsrat für Kunst", wo er neben programmatischen Forderungen nach einer neuen Architektur auch an der Formulierung von Grundsätzen einer reformierten Architekturausbildung beteiligt ist. Die Grundsätze bilden 1919 die Basis für die Gründung des Bauhauses. Er gilt darum, obwohl an der direkten Umsetzung nicht mehr beteiligt, zusammen mit Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe als Mitbegründer der Bauhausidee. Neben Siedlungsbauten, Wohnhäusern und Schulen baute Bartning bevorzugt Kirchen. Aus einer evangelischen Pastorenfamilie stammend, brachte er die entsprechende Sensibilität für den Menschen im Zusammenhang mit Kirchenbauten mit. Ab Mitte der zwanziger Jahre ist Bartning maßgeblich am Durchbruch des Neuen Bauens und der Entwicklung einer eigenständigen kubischen Formensprache beteiligt. Nach dem zweiten Weltkrieg, im Jahre 1948, übernahm er die Bauabteilung des Hilfswerks der Evangelischen Kirche in Deutschland und arbeitete das sogenannte Notkirchenprogramm aus. Bartning entwarf zunächst ein System vorgefertigter Holzbinder, die zu einem Kirchenschiff zusammengesetzt und mit Trümmersteinen aus den Kriegsruinen ausgefüllt werden konnten. Für die Gebiete evangelischer Neuansiedlungen, wie im Emsland entwarf er Serienfertigungsmodule für multifunkionale Gemeindezentren, die gleichzeitig als Kirche und Gemeinderaum genutzt werden konnten. Zu sehen in diesem Notkirchentyp ist deutlich die untrennbare Verbindung von inhaltlicher Programmatik und gestalterischem Modernisierungsanspruch. Bis 1951 entstehen 48 dieser Notkirchen. Bartning baut aber auch in fünf weiteren europäischen Ländern Kirchen und ist am Wiederaufbau des von den Briten zersprengten Helgolands beteiligt. 43 der Bartningschen Notkirchen sollen heute noch stehen, u.a. in Leschede, Dalum, Sögel, Werlte und Neuenhaus. Die Petruskirche in Bawinkel gilt als das am besten erhaltene Beispiel dieser Art im Emsland.

Die Kirche

Die Kirche des Monats Mai ist eine Notkirche Typ D“, wurde als Gemeindezentrum konzipiert und so in Bawinkel gebaut. Nach verschiedenen Eingaben erhielt die bunt aus ehemaligen deutschen Ostprovinzen zusammengewürfelte Flüchtlingsgemeinde Bawinkel von der amerikanischen Sektion des lutherischen Weltbundes 1949 eine größere Spende zum Bau einer skandinavischen Holzkirche. Ein der lutherischen Gemeinde gehöriges Grundstück war bereits vorhanden. Die neue Kirche in Bawinkel wurde am 12. Februar 1950 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung von Landesbischof Dr. Hanns Lilje eingeweiht. Sie erhielt den Namen Petrus-Kirche.

Es fällt auf, dass das Gebäude von außen weiß gestrichen ist und ein pagodenähnliches Dach hat. Ein Fensterstreifen läuft als Lichtband im Dach. sonst sind keine Fenster vorhanden. Auf dem Dach thront mittig an der Vorderfront auf einem Gestell die Glocke, die heute noch vom Küster von Hand geläutet wird. Zwei Türen, jeweils an den Ecken der Querseite, führen ins Innere. Wenn man eintritt, umgibt einen sofort die wohlige Wärme des hölzernen Innenraums und die angenehme Helligkeit der vielen Fenster. Der Altar ist eingelassen in eine Wandnische, die mit zwei großen Holztüren verschlossen werden kann. Die Türen der Altarnische erhielten Eichenholz-Reliefs von Bruno Fenske (Lingen) mit Szenen des AT und NT. Von Fenske stammt auch der Korpus des Altarkruzifixes. Durch die Schließung der Altartüren ließe sich der Kirchenraum problemlos und schnell in einen Gemeindesaal mit profaner Nutzung umwandeln. Heute nutzen die Bawinkler ihre Kirche allerdings fast ausschließlich für Gottesdienste für die Gemeindemitglieder. Um 15 Uhr am kommenden Sonntag lädt die Gemeinde alle Interessierten herzlich ein, mehr über die Kirche zu erfahren und im Anschluss bei einer Tasse Kaffee und Kuchen, den Nachmittag ausklingen zu lassen.

Ulrich Hirndorf