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3. Dezember 2018

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Doppelhaushalt beschlossen

Für die Jahre 2019 und 20 bestehen keine Risiken

Der Kirchenkreistag hat in seiner letzten Sitzung der Legislaturperiode den zukünftigen Haushalt 2019/20 beschlossen. (Foto: Hirndorf)

In der letzten Sitzung des Kirchenkreistags dieser Lesgislaturperiode wurde einstimmig der neue Doppelhaushalt des Kirchenkreises für die Jahre 2019 und 2020 beschlossen.

Kirchenkreisamtsleiter Daniel Aldag stellte das über 240 Seiten umfassende Haushaltspapier vor, das den 57 Delegierten aller Kirchengemeinden zur Abstimmung vorlag.

Im Nachgang der Sitzung sprach Ulrich Hirndorf, Pastor für Öffentlichkeitsarbeit mit dem Amtsleiter über die Herausforderungen der kommenden Haushaltsjahre:

Herr Aldag, erstmals wurde der neue doppische Haushalt nach einem neuen Verfahren erstellt. Grundlage war eine Abstimmung des Kirchenkreistages vom April, in der der kirchenpolitische Rahmen für die Planung abgesteckt wurde. Was hatte es damit auf sich?

"2012 sind sogenannte Grundstandards für die kirchlichen Arbeitsfelder unseres Kirchenkreises von den Fachausschüssen erarbeitet worden. Diese wurden vom Landeskirchenamt genehmigt und sollen nun den von uns zu erarbeitenden finanzwirtschaftlichen Rahmen bestimmen. Die Kostenstellenverantwortlichen der in den Grundstandards benannten Arbeitsbereiche sind von uns eingeladen worden. Mit ihnen gemeinsam haben wir dann die jeweiligen Haushaltsansätze ermittelt, die in den Haushaltsentwurf eingeflossen sind. Das hat uns ermöglicht, die Ansätze sehr wirklichkeitsnah darzustellen."

Eine solide Haushaltsplanung ist das Eine. Hier ist der Kirchenkreis seit jeher gut aufgestellt und hat auch als erster Kirchenkreis Niedersachsens auf die Doppik umgestellt. Aber Sie sprachen auf dem Kirchenkreistag auch von Herausforderungen der kommenden Jahre. Welche Risiken gibt es?

„Einige Herausforderungen sind gut überschaubar. Zum 1. Januar treten wir erstmal in eine neue Form der Kindertagesstättenträgerschaft ein. Es wird eine übergemeindliche Struktur geben, auf die wir uns mehrere Jahre vorbereitet haben. Wir starten mit den drei lutherischen KiTas in Nordhorn. Nicht so überschaubar ist die kommende Umsatzsteuerpflicht aller kirchlichen Körperschaften. Hier muss EU Recht umgesetzt werden. Schon die Vorbereitungen und erste Beratungen zeigen, dass sich die Gemeindearbeit oder sogar die kirchliche Arbeit auf allen Ebenen grundlegend verändern wird. Denken wir nur an Gemeindefeste oder jetzt gerade Adventsbasare mit Kuchenbüfett. Da werden wir die Gemeinden bis 2021 gut vorbereiten müssen.“

Das sind konkrete Projekte. Wie steht der Kirchenkreis denn in der kirchenpolitischen Großwetterlage da?

„Bis 2022 müssen wir 3% Haushaltsmittel einsparen, das ist moderat aber dunkle Wolken am Horizont gibt es schon. Durch den demografischen Wandel in der Bundesrepublik Deutschland werden in den nächsten Jahren die geburtsstarken Jahrgänge der Babyboomer in Rente gehen.

Das sind aktuell diejenigen, die mit ihren Steuerzahlungen den Hauptanteil an der Kirchensteuer ausmachen. Gleichzeitig ist festzustellen, dass nicht in gleicher Zahl junge Menschen in die Erwerbstätigkeit nachrücken. Das Bundesinstitut für Bevölkerungsentwicklung fürchtet ein Absinken der momentan 50 Mio Erwerbstätigen um ein Viertel.

Daneben kommt der Blick auf die Kirchenmitgliederentwicklung. Das Emsland und die Grafschaft sind Familienregionen. So wie man hier Vereinsmitglied ist, ist man auch Mitglied in einer der örtlichen Kirchengemeinden, nimmt Teil an der Gemeinschaft. Im nördlichen Emsland wachsen unsere Gemeinden leicht. In der Mitte des Kirchenkreises sind sie relativ stabil, im Süden der Grafschaft verlieren wir Mitglieder. Bei uns ist aber weniger der Kirchenaustritt ein Problem sondern die Geburtenrate. Schauen wir nach Hannover, sind 50% aller Haushalte Singlehaushalte. Gemeinschaftliche Bindungen sind eher virtueller Art, eine Bindung an eine real existierende Kirchengemeinde vor Ort erscheint nicht nötig. Austritte sind die Folge. Hier kommen Strukturveränderungen auf uns zu, die uns in unserem Kirchenkreis ebenfalls betreffen werden. In welchem Umfang, werden wir sehen.“

Kommen wir noch einmal auf den Haushalt zu sprechen. Viele werfen der Kirche vor, es würde von den Kirchensteuern zu wenig bei den Gemeinden ankommen. Wie ist der Trend bei uns?

„Ich kenne die Diskussion. Im Zuge der Vorbereitung auf den Kirchenkreistag habe ich jeden Teilergebnishaushalt dahingehend geprüft, wem dessen Aufwendungen zu Gute kommen. Das Ergebnis ist, dass 24,6 Prozent des Aufwandes unmittelbar an die Kirchengemeinden weitergegeben werden. Weiterhin kommen den Kirchengemeinden 62,1 Prozent der Aufwendungen des Kirchenkreises mittelbar zu Gute, weil der Kirchenkreis hier gemeindliche Aufgaben regional organisiert. Zum Beispiel Sonderseelsorge in Krankenhäusern oder Seniorenwohnanlagen, Ausbildung von Lektoren, Büchereiwesen, das Kirchenkreisamt oder das Diakonische Werk, das allein 10,4% der Gesamtaufwendungen erhält. Addiert man unmittelbaren und mittelbaren Aufwand, so ergeben sich 86,7 Prozent. Diese Zahlen enthalten noch nicht mal die Verrechnungsbeträge für die Gemeindepastoren. Nehmen wir die dazu, beträgt der Anteil für die Kirchengemeinden aus den Gesamtaufwendungen 87,8 Prozent, oder 9,76 Millionen Euro. Insgesamt werden wir im kommenden Jahr 11,7 Mio € aufwenden und 2020 kalkulieren wir mit 11,8 Mio €. In seinen acht kirchlichen Handlungsfeldern und 92 Kostenstellen bildet sich die Vielfalt der Arbeit des Kirchenkreises ab. Und eine letzte Zahl für diejenigen, die sich fragen, ob ihre Kirchensteuer sinnvoll verwendet wird. Das größte Finanzvolumen hat unser kirchliches Handlungsfeld „Diakonie und kirchliche soziale Arbeit“ mit 37,1 Prozent. Das halte ich für überaus sinnvoll und ist Ausdruck christlich-karitativer Gemeinschaft.“