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18. September 2018

Nachricht

Neuer Mediendirektor der Landeskirche referiert auf Kirchenkreistag

Als evangelische Kirche erkennbar bleiben trotz aller Vielfalt

Auch nach Ende des Vortrags unterhielten sich der Kirchenkreistagsvorsitzende Thomas Claußen und Mediendirektor Klaus motoki tonn lebhaft über die Kommunikation von Kirche im digitalen Zeitalter. (Foto: Hirndorf)

EMA - drei Buchstaben. Aber wofür stehen sie? Was verbirgt sich hinter dem Namen „Evangelische Medienarbeit“? Der 20. Kirchenkreistag der Legislaturperiode 2013-2018 tagte in Sögel zum Thema Kommunikation und Kirche. Als Gastredner konnte der Vorsitzende, Thomas Claußen den neuen Mediendirektor der Landeskirche, Klaus Motoki Tonn begrüßen. Der 44 jährige ist Creative Mind und Begründer von Agenturen und Initiativen. Er hat bislang Wirtschaftsunternehmen und Kirchen in strategischen und kommunikativen Fragen beraten und ist seit April 2017 Leiter der Kommunikation der größten evangelischen Landeskirche mit 2,6 Mio Gemeindegliedern. Nach einem „Smartphonegottesdienst“ in der ev.-luth. Markuskirche, den die Pastoren Matthias Voß und Ulrich Hirndorf dialogisch gestalteten, konnten die Delegierten der 27 lutherischen Gemeinden sich mit dem führenden Kommunikationsplaner der Landeskirche austauschen. Mit neuen Kommunikationskonzepten hatten sich bereits 2015 die zuständigen Abteilungen auf den Weg zu einer modernen Kommunikation gemacht, erklärte Tonn: „EMA steht für eine landeskirchenweite, evangelische Medienarbeit, die die Gesamtkommunikation in den Blick nehmen will. Die EMA möchte Themen setzen, digitale Produkte entwickeln, Kampagnen und Design verantworten und als Dienstleister Beratung und Schulung bieten. Sie hat es sich zum Ziel gemacht, der landeskirchlichen Kommunikation ein Gesicht zu geben und ihr zum Erfolg zu verhelfen.“ In der Analyse der kirchlichen Themenvielfalt findet Tonn durchaus Erweiterungsbedarf. „Wo bleiben die Themen, die emotional berühren? Wo sind die Geschichten, die tragen? In der Bibel finden wir diese emotionalen Geschichten, wo bleiben sie heute, die Menschengeschichten, die Gesichter der Kirche?“, so fragte Tonn die Delegierten. Tonn stellte außerdem sozialwisssenschaftliche Studien vor, nach denen 44% der Kirchenmitglieder offen Interesse an der kirchlichen Arbeit haben aber nur 4% würden tatsächlich Fragen formulieren. Aufgabe von kirchlicher Kommunikation sei es also, über unterschiedlichste Kanäle dieses Interesse ernst zu nehmen, aufzugtreifen und interessant zu berichten, um Antworten zu geben, Bespiele, Impressionen christlicher Existenz zu spiegeln. Die vornehme Zurückhaltung, das christlicher Glaube in das Private gehöre, gelte es aufzuweichen. Das christliche „storytelling“ mündiger Gläubiger könne so ein Weg sein, so der Mediendirektor, praktiziert in den neuen Medien.
„Wir evangelische Christen werden nicht mehr in Deutschland aber die Medien werden mehr, die wir in unsere Kommunikationskonzepte integrieren müssen“, so Tonn. „Also konzentrieren wir uns darauf, dass das, was wir kommunizieren, gut ist.“ Eine Herausforderung, so ergab die Diskussion seiner Thesen, da es schwer sei, in der Vielfalt evangelischer Kirche erkennbar zu bleiben. Die Bandbreite reiche von missionierender Freikirche bis traditioneller volkskirchlicher Dorfgemeinde. Auch warfen Teilnehmer der Diskussion ein, dass die neuen Datenschutzrichtlinien doch Vieles verhinderten. Tonn mahnte öfter im Laufe des Abends zu einem Aufbrechen alter Strukturen und alter Praxis. Zwar seien Gemeindebriefe nach wie vor excellente Kommunikationsportale, die nachgewiesen Millionen Haushalte in Niedersachsen erreichten, aber es gebe bislang weltweit nur einen einzigen Lehrstuhl und zwar in England für Digitale Theologie, und der werde besetzt von einem Pastor, „der noch vor 8 Jahren von einem Küster aus einer Kirche geworfen wurde, weil er in der Bibel las, allerdings im Smartphone.“ In den USA gebe es bereits eine VR Kirche, die nur in der virtuellen Welt existiere. Wenn Virtualität zur validen Realität des Menschen werde, gelte es, sich dazu theologisch und praktisch zu verhalten. Tonn erinnerte daran, dass die protestantischen Kirchen immer Vorreiter auf dem Bildungssektor gewesen seien. Also gelte es heute, entsprechende skills (Kompetenzprogramme) für Maschinen zu entwickeln und mit Facebook über Ethikskills zu verhandeln. „Noch nie konnten Menschen in den social media Portalen selbst ihren Glauben  kommunizieren. Was ist also unsere Story? Wir müssen sie suchen, finden und kommunizieren“, forderte Tonn in seinem Schlusswort.