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11. November 2017

Nachricht

Kirchenkreistag diskutiert neue Verfassung der Landeskirche

Bewährtes erhalten und Optionen für Neues schaffen

Verfassungsdiskussion
Dr. Fritz Hasselhorn referiert in der Kreuzkirche die geplanten Verfassungsänderungen (Foto: Hirndorf)

Am letzten Samstag trafen sich die Mitglieder des Kirchenkreistags (Regionalsynode) des ev.-luth. Kirchenkreises Emsland-Bentheim in der Kreuzkirche Lingen, um die Diskussion zur geplanten Neufassung der landeskirchlichen Verfassung einzuleiten. Die Nachkriegsverfassung soll grundlegend erneuert werden und wird Grundlage für die gut 2.6 Mio lutherischen Christen der Hannoverschen Landeskirche, die die größte der evangelischen Landeskirchen Deutschlands ist. Anfang Mai 2017 hat der Verfassungsausschuss der Landessynode einen Entwurf der neuen Verfassung vorgelegt. Nach der Beratung in der Landessynode wurde der Entwurf unter anderem an alle Kirchenkreise versandt und darum gebeten, hierzu Stellung zu nehmen. Hochrangiger Gast und Hauptredner des Kirchenkreistags war Dr. Fritz Hasselhorn, Mitglied des Verfassungsausschusses der Landessynode. Nachdem die lutherische Kantorei unter Leitung von Kantor Peter Müller Auszüge des Liedoratoriums „Gaff nicht in den Himmel“ aufgeführt hatte, sprach Hasselhorn vor den Delegierten aus 27 Kirchengemeinden und erläuterte die Überlegungen, die zu geplanten Änderungen führen sollen. Als weiteren Gast konnte Superintendent Bernd Brauer den Oberbürgermeister der Stadt Lingen, Dieter Krone begrüßen, der in einem Grußwort die Delegierten dazu aufrief, sich als Kirche auch weiterhin in Politik und Gesellschaft einzumischen. „Nicht als Störenfried, sondern als Berater und Impulsgeber, so der Oberbürgermeister.

Nachdem Hasselhorn die Genese der Verfassungsentwicklung vom landesherrlichen Kirchenregiment bis zur Neuordnung nach dem zweiten Weltkrieg bis heute skizziert hatte, mahnte er die Herausforderungen für die Zukunft der Kirche an. „Kirche soll auch schon in der Verfassung einladende Kirche im Ursprung sein“, so Hasselhorn. Die Funktionen der Organe, Ämter und Gremien sollten überprüft und Strukturen zukunftsfähig gemacht werden. Auf Veränderungsdruck durch gesellschaftliche und demographische Entwicklungen müsse auch Kirche reagieren. Hasselhorn erläuterte, dass mehr Theologie und mehr zukunftsfähige Optionen in die Verfassungsänderung eingeplant seien. Kirchenkreise müssten eine Vermittlerrolle anehmen im Verhältnis zwischen Ortsgemeinden und Landeskirche, die Personalgemeinden (z.B. in Gefängnissen, Bundeswehrstandorten und Krankenhäusern) müssten den Ortsgemeinden (Parochialgemeinden) gleichgestellt werden, um Konzepte der Zukunft (z.B. Community Gemeinden im Social mediabereich) zu ermöglichen. Gerade dieses Thema weckte in der anschließenden Diskussion Gesprächsbedarf. Während sich die Leiterin des Ev. Gymnasiums Nordhorn, Dr. Gabriele Obst, über die Höherbewertung der Personalgemeinden freute und darin Chancen auch für das evangelische Schulwesen sah, verteidigte Pastor Arnold Magdanz (Emlichheim) das Parochialmodell: „Gerade meine Erfahrungen als Militärseelsorger haben mir gezeigt, dass in Notsituationen der Gläubige sich immer dort beheimatet fühlt, wo er seine sozialen Vernetzungen hat, in seiner Ortsgemeinde!“ Superintendent Brauer machte darauf aufmerksam, dass die Verfassung Optionen aufzeigen wolle. Nur eine Öffnung der Verfassung könne ermöglichen, dass beispielsweise einmal im Kloster Frenswegen ein ökumenisches Pfarramt entstehen könnte. Weitere Beiträge bezogen sich auf das Verhältnis Kirche-Staat, die deutlich formulierte Abkehr von der Judenmission und die Einbindung der Barmer Erklärung. Ein deutliches Votum zur Verfassungsgrundlage bekam Hasselhorn ebenfalls mit auf den Weg. Dass letztlich weder Verwaltung noch Strukturen die Kirche tragen, sondern die Gläubigen vor Ort, dürfe nicht vergessen werden. In seinem Schlusswort bedankte sich Hasselhorn für die zahlreichen Anregungen und betonte, die neue Verfassung wolle sehr wohl bewährtes erhalten aber auch Optionen für Neues schaffen. Jedes Kirchenglied kann auf der Internetseite www.kirchenverfassung2020.de den Text des Verfassungsentwurfs einsehen und bis zum 31.12.2017 kommentieren. Die lutherische Landeskirche ist an einem transparenten und nachvollziehbaren Beteiligungsverfahren interessiert, an dem sich der mündige Christ beteiligen soll. „Es ist natürlich leichter auf "die Kirche" zu schimpfen, als sich durch 65 Seiten Verfassungsentwurf zu wühlen und selbst Anregungen und Vorschläge weiterzugeben. Trotzdem wollen wir dieses Experiment wagen und die Menschen lutherischer Konfession dazu animieren, ihre Mündigkeit als getaufter Christ in die Waagschale der neuen Verfassung zu legen, um eine zukunftsfähige Kirchenverfassung erlassen zu können, die nicht am Menschen, den es betrifft, vorbeigeht“, so Pastor Ulrich Hirndorf, Mitglied des Kirchenkreistagsvorstands.

 

 

Kirchenverfassung - Was ist das?