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Gottesdienst unter freiem Himmel

31. Oktober 2017

Nachricht

Ökum. Gottesdienst zum Reformationsjubiläum

Sich auf Gemeinsames besinnen

Präses Ilse Landwehr-Wegner, Weihbischof Johannes Wübbe und Superintendent Bernd Brauer feierten als ein bewußtes Signal gemeinsam in der Lingener Kreuzkirche den Gottesdienst zum 500. Reformationsjubiläum in der Region. (Foto: Hirndorf)

Wort – Brot – Fülle, unter diesem Motto stand der zentrale Gottesdienst des Kirchenkreises Emsland-Bentheim zum Reformationstag, der bewusst als ökumenischer Gottesdienst in der Kreuzkirche in Lingen gefeiert wurde. Unter Mitwirkung des regionalen Reformationsbotschafters Pastor Ulrich Hirndorf, gestalteten Weihbischof Johannes Wübbe, Präses Ilse Landwehr-Wegner und Superintendent Bernd Brauer einen Gottesdienst, der in Auslegung der Speisung der 5000 in ein gemeinsames Agapemahl der rund 400 Gottesdienstbesucher mündete. Die drei Prediger, die jeweils eines der Mottoworte  im Hinblick auf das Evangelium auslegten, bezogen dabei bewusst den Stand und die Hoffnungen des ökumenischen Zusammenwirkens mit ein. „Die Speisung der 5000 im Johannesevangelium macht eines ganz deutlich: Mangel herrschte von Anfang an. Und im Paradies leben wir heute noch lange nicht. Daran hat auch die Reformation nichts geändert. Wir können nicht einfach die Fragen und Antworten von vor 500 Jahren kopieren und anwenden. Dann blieben wir beim Feiern in der Vergangenheit hängen. Wenn wir zu diesem Anlass die Geschichte von der Speisung zu Gehör bringen, möchten wir drei leitenden Geistlichen eine besondere Glaubenserfahrung und Haltung ehren, die uns über die Zeiten hinweg verbindet und die wir der Reformation verdanken. Die Botschaft des Evangeliums will Hoffnung begründen, dass wir Menschen mit Zuversicht den Dingen des Lebens entgegensehen, weil wir das, was dafür notwendig ist von Gott selbst unmittelbar bekommen, frei als Geschenk  - aus Gnaden wie Luther betont – und darum frei sind und auch verantwortbar, Antworten auf Lebensfragen jeweils neu zu geben. Und diese wollen jeweils neu errungen sein. Dazu hat Gott jeden befähigt und aufgerufen.“ So rief der leitende Geistliche der 65.000 Lutheraner des Kirchenkreises, Bernd Brauer die Gottesdienstbesucher zum Mitdenken und Mitgestalten auf. Unter der Anleitung von Hirndorf formulierten die Gäste, unter ihnen Landrat Reinhard Winter und Lingens Oberbürgermeister Dieter Krone, auf ausgeteilten Papierbroten- und Fischen Wünsche für die gemeinsame Zukunft der Kirchen. Delegierte aller Lingener Gemeinden sammelten Hunderte „Ideen der Fülle“ ein und trugen einige in Verbindung mit fünf Aufrufen zu gemeinsamer Verantwortung vor. Den Höhepunkt des feierlichen Gottesdienstes, der musikalisch von der Lutherischen Kantorei unter Leitung von Kreiskantor Peter Müller begleitet wurde, bildete dann das Agapemahl mit Brot, das sich die Gottesdienstbesucher aus drei Konfessionen unter Segensworten reichten, um ihren Willen zur Gemeinschaft und gemeinsamer christlicher Verantwortung auszudrücken. Superintendent Brauer verglich die Situation der Kirchen mit derjenigen in einer Familie: „Auch Brüder und Schwestern sind nicht immer ein Herz und eine Seele. Sie können sich auch streiten, manchmal heftig und manchmal sogar so, dass sie sich besser für eine Zeit trennen – jeder in sein Zimmer. Wer hat das nicht schon erlebt? Aber auch das geschieht: am Ende kommen sie doch wieder zusammen, verlassen ihre Kammern und versöhnen sich. So ist es mit den Brüdern und Schwestern bei uns Christen geschehen. Unsere Wege haben sich getrennt vor 500 Jahren. Dafür gab es auch schmerzliche Gründe. Heute ist es an der Zeit zu überlegen, ob die Gründe wirklich immer noch so groß sind, dass wir unsere Kammern nicht verlassen können und sollten, um uns auf das Gemeinsame zu besinnen.

Als politisches Grußwort zum Reformationstag erinnerte Landrat Winter an die gemeinsame Verantwortung aller Christen in unserer Gesellschaft und die Aufgabe zur Bewahrung christlicher Tugenden. Diejenigen die sich im Ehrenamt engagierten, nicht nur an sich, sondern an andere dächten und für andere handelten, hätten das Emsland zu dem gemacht, was es heute sei. Dieser Schatz würde heute und in Zukunft mehr denn je gebraucht. Dazu brauche es auch die Kraft der Kirchen, die mehr Verbindendes als Trennendes in ihrem Handeln trügen.